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DISTRICT Magazine Coverstory

17/10/2018

Coverstory über Julia Hanzl: „Das Gesicht ist der Spiegel aller Emotionen“

Ausgabe #16, 16/10/2018

Wir treffen die Mödlinger Bildhauerin Julia Hanzl am Schrannenplatz in Mödling. Zu unserem Treffen hat sie eine besondere Skulptur mitgebracht, die sofort alle Blicke der Passanten auf sich zieht – eine schreiende, kahlköpfige, nackte Frau mit einem Wildkörper in Lebensgröße. So etwas sieht man nicht alle Tage und wir beobachten aus der Weite die Reaktionen der Passanten. Niemand kann einfach so an der Skulptur vorbeigehen ohne einen erstaunten Blick zu wagen. Viele wollen die Skulptur auch anfassen, doch da ist Julia Hanzl vorsichtig, denn die Anfertigung der hauptsächlich aus Keramik bestehenden Skulptur war sehr aufwendig.

„Ich modelliere meine Skulpturen aus Ton, den ich dann zu Keramik brenne, aber auch in Bronze, Aluminium und Messing abgießen lasse.

Auch für Augarten hat sie schon eine eigene Kollektion in Porzellan entworfen. Ein Auftrag, der sie bis heute noch stolz macht, denn viele berühmte österreichische Künstler, wie beispielsweise Ernst Fuchs oder Arik Brauer, haben ebenfalls für die Porzellanmanufaktur gearbeitet.

Ihre zeitgenössischen Skulpturen sind aber auch in den USA sehr beliebt. Dort ist das Verständnis für figurative Kunst noch ausgeprägter als in Österreich. Erst kürzlich wurde sie von einer anerkannten New Yorker Fachjury zu einer der international bedeutendsten figurativ arbeitenden KünstlerInnen gewählt. Auch war sie 2016 Niederösterreicherin des Jahres.

 

DISTRICT:

In Mödling plant ihr für die „Lange Einkaufsnacht“ am 28. September eine Ausstellung deiner Skulpturen. Was genau erwartet die Mödlinger Late-Night-Shopper an diesem Abend?

Julia Hanzl:

Lasst euch überraschen, es werden sicherlich einige aufsehenerregende Exponate von mir im Tintin.Design-Shop zu sehen sein!

DISTRICT:

War es für dich schon immer klar, dass du Künstlerin werden willst?

Julia Hanzl:

Nein, ganz und gar nicht. Ich habe ein Studium in Sportwissenschaften absolviert und Kunstgeschichte studiert und habe mich danach für die Kunst entschieden, da in unserer Familie Kunst schon immer eine große Rolle gespielt hat.

DISTRICT:

Wie hast du gestartet? Wie wird man in Österreich eine Künstlerin?

Julia Hanzl:

Es begann mit einem Kopf, den ich bei einer Mödlinger Keramikerin im Atelier modelliert habe.

Seitdem fasziniert mich das Material Ton, den ich im Atelier anschließend zu Keramik brenne. Mittlerweile lasse ich aber auch viel in Bronze und anderen Metallen gießen, weil Galerien

Metallskulpturen bevorzugen. Ich habe relativ rasch sehr renommierte Galerien gefunden und die meisten meiner Skulpturen stelle ich zurzeit in der Galerie Artziwna in der Wiener Innenstadt und in der Galerie Gugging aus. Meine Werke werden auch in Galerien in der Schweiz, in Deutschland und in den USA präsentiert.

DISTRICT:

Warum modellierst du bei deinen Skulpturen die Köpfe so skurril und ausdrucksstark?

Julia Hanzl:

Ich liebe Köpfe einfach, vor allem Gesichter. Das Gesicht ist der Spiegel aller Emotionen und Emotionen bestimmen auch meine gesamte Kunst.

DISTRICT:

An welchen Orten in Mödling holst du dir deine Inspiration für deine Werke?

Julia Hanzl:

In Mödling genieße ich die Ruhe und die Natur. Bei Waldspaziergängen kann ich gut abschalten und beim Laufen in der Natur kommen mir neue Ideen.

DISTRICT:

Du bist sicherlich viel im Ausland unterwegs. Was hält dich in Mödling?

Julia Hanzl:

Ich bin schon mehrmals aus Mödling weggezogen, aber immer hatte ich das Bedürfnis wieder zurückzukommen. Hier sind meine Wurzeln und nur hier fühle ich mich so richtig zuhause.

 

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